Internationaler Tag der arbeitenden Frauen

von Hans:

Eine Schlüsselfigur der Frauenbewegung in Deutschland ist seit vielen Jahren Alice Schwarzer und ihre Zeitschrift „Emma“ (link)

Sie hat in jungen jahren viel von Simone de Beauvoir in Paris gelernt.

von emma.de:

Der „Internationale Frauentag“ wird 100. Und damit der ehrwürdige Protesttag nicht vollends zum Tag der lauwarmen Sektempfänge und neckischen Glossen verkommt, lanciert EMMA hiermit eine gute Idee, die aus Amerika kommt. Da feiern sie am 8. März in diesem Jahr zum zweiten Mal den Feminist Coming Out Day, den Tag des feministischen Coming Outs. Also Girls und Frauen: den Tag echter Proteste von unten – und nicht gönnerhafte Präsente von oben. Denn sich dazu bekennen, Feministin bzw. Feminist zu sein, das ist – vor allem in deutschtümelnden Landen – noch immer eine heiße Sache. Und es bedeutet mehr als 1 Tag von 365 im Jahr. Es bedeutet: 183 Tage für Frauen (52 Prozent der Weltbevölkerung) und 182 für Männer – oder alle Tage gleichberechtigt gemeinsam. Will sagen: Die Hälfte der Welt für die Frauen und die Hälfte des Hauses für die Männer!

Im letzten Jahr hatte Alice Schwarzer provokant die Abschaffung des Frauentages gefordert. Warum? Weil dieser Tag eigentlich wenig mit der Frauenbewegung zu tun hat, sondern aus der Sozialistischen Internationalen kommt und vor allem in DDR-Zeiten zu einer Art „sozialistischem Muttertag“ verkommen war (mit Frühstück für Mutti und roten Nelken für die Genossin).

Angefangen hatte die Sache einst mit Wucht. Am 19. März 1911 gingen weltweit Millionen Frauen auf die Straße und forderten: gleichen Lohn und das Frauenwahlrecht! Beschlossen hatten das einige Monate zuvor 100 Delegierte aus 17 Ländern auf der „II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz!“, unter Führung von Clara Zetkin.

Nach 1945 nahmen die sozialistischen Länder die Tradition wieder auf. Muttern durfte sich an diesem einen Tag auch mal an den gedeckten Frühstückstisch setzen und die quotenfernen Genossen vom ZK (Zentralkomitee) hielten gönnerhafte Reden. Irgendwann infiltrierte der 8. März dann auch Westdeutschland – und seit der Wiedervereinigung wird er nun also gesamtdeutsch gefeiert.

Trotzalledem nutzen zahlreiche Fraueninitiativen, Gewerkschafterinnen und Politikerinnen den 8. März für ihre Sache. Und das ist auch gut so. Die IG-Metall-Frauen haben sich gegen die „ritualisierten Langeweile-Veranstaltungen“ zum 8. März eine schicke Umhängetasche ausgedacht, bedruckt mit feministischen Heldinnen von gestern und heute. Und der FrauenMediaTurm Köln hat sowohl ausgewählte 8. März-Termine online gestellt und die Historie des 8. März als auch eine Analyse der „normativen Aufladung von Frauen-Feiertagen“ gleich dazu.

EMMA bittet schon jetzt für 2012 um Vorschläge, wie wir in Zukunft den Tag des feministischen Coming Outs gestalten könnten!

EMMAonline, 3.3.2011

Über Alberto Villanueva

Ingeniero Superior de Telecomunicaciones (Universidad Politécnica de Madrid)
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